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Balkonkraftwerk

19.12.2021

Wer sich schon einmal Gedanken über den Klimawandel gemacht hat, wird sicher irgendwann über den Punkt gestolpert sein, dass wir eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien schaffen müssen, wenn wir diesem entgegenwirken wollen. Wenn wir weiter fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl verbrauchen, werden uns diese nicht nur ziemlich bald ausgehen, wir werden es auch am eigenen Leib zu spüren bekommen. Hochwasser, Unwetter, Dürreperioden werden auch bei uns immer schlimmer und andere Orte auf der Welt werden unbewohnbar. Tragischerweise sind vor allem Regionen stark betroffen, die selbst besonders wenig zur globalen Erwärmung beitragen.

Sollen doch erst mal die Anderen …

Jetzt könnte man es sich leicht machen und mit dem Finger auf andere Länder zeigen, oft wird hier China als Beispiel aufgeführt, doch man sollte sich bewusst machen dass der Vergleich hinkt. In Deutschland hatten wir 2018 einen Pro-Kopf-CO2-Emissionen von 9,15 Tonnen, in China waren es lediglich 7,95 Tonnen (Quelle: Wikipedia / Liste der Länder nach CO2-Emission pro Kopf). Jetzt könnte man es sich auch hier nochmal leicht machen und nur auf die absoluten Treibhausgas-Emissionen schauen, da schneidet China mit 13.067.691 Tonnen deutlich schlechter ab als Deutschland mit 928.691 Tonnen (Stand: 2015, Quelle: Wikipedia / Liste der Länder nach Treibhausgas-Emissionen). Aber auch hier betrügt man sich selbst, denn während Deutschland somit für rund 2 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist, wohnen hierzulande lediglich 1 % der Weltbevölkerung. Zum Vergleich: China erzeugt rund 27 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen wobei dort 18 % der Weltbevölkerung beheimatet sind. Stellt man diese Prozentzahlen nun ins Verhältnis sieht man, dass Deutschland doppelt so viel Treibhausgas-Emissionen verursacht als es Einwohner hat, während es in China gerade mal 1,5 mal so viel sind. Das soll nicht bedeuten, dass in China oder anderen Ländern nicht auch noch Handlungsbedarf besteht, aber es soll verdeutlichen, dass wir nicht in der Position sind „vor fremden Haustüren zu kehren“.

„Ok, wenn wir es schon nicht auf andere Länder schieben können, dann aber wenigstens auf die Regierung. Schließlich müsste dort viel mehr gemacht werden.“ Ja, so könnte man das sehen, und sicher ist da auch etwas Wahres dran. Aber warum sollen wir warten, bis die Politik in die Gänge kommt, wenn auch jetzt schon die Möglichkeit besteht, dass wir selbst etwas tun. Welches Recht haben wir, von der Regierung mehr Engagement in Sachen Klimaschutz und Energiewende zu fordern, wenn wir selbst nicht mal das tun, was jetzt schon möglich ist? Vor allem dann, wenn wir dabei sogar noch Geld sparen können? Und somit sind wir beim Thema angekommen: erneuerbaren Strom vom eigenen Balkon (oder Garten, oder Hauswand, oder Dach, …).

Durchbruch für Mini-Solarmodule

Seit 2017 dürfen in Deutschland steckbare Solarmodule direkt an den normalen Haushaltsstromkreis angeschlossen werden. Zu Verdanken ist das einer durch Greenpeace Energy (mittlerweile „Green Planet Energy“) und der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) erreichten Neuregelung der Norm VDE 0100-551 (Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Greenpeace Energy und der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie - PDF). Somit dürfen Solarmodule mit einer Spitzenleistung von 600 W einfach selbst zu Hause aufgestellt und in Betrieb genommen werden.

Das Prinzip ist dabei denkbar einfach. Man braucht ein Solarmodul, einen Wechselrichter und ein Anschlusskabel. Viele Händler bieten gleich entsprechende Sets an, damit man selbst nicht herausfinden muss, welches Solarmodul zu welchem Wechselrichter passt. Das Solarmodul wandelt das Sonnenlicht in Gleichstrom um, der Wechselrichter macht daraus Wechselstrom, den wir dann über das Anschlusskabel in unseren Haushaltsstromkreis einspeisen können. Diesen Strom kann man dann direkt verbrauchen. Wird er nicht im Haus verbraucht, fließt er ins Netz. Über diese Sonderregelung für solche Mini-Solaranlagen hat man jedoch leider keinen Anspruch auf eine Vergütung. Strom den man also so produziert und einspeist aber nicht selbst direkt verbraucht wird schenkt man seinem Netzbetreiber. Da man aber einige Verbraucher hat die ständig Strom brauchen, wie beispielsweise ein Kühlschrank oder auch ein WLAN-Router sind zumindest diese Verbraucher schon mal mit dem eigenen Solar-Strom versorgt. Außerdem haben wir uns auch angewöhnt Waschmaschine oder Geschirrspüler bewusst anzuschalten, wenn die Sonne scheint und nicht nachts.

Der Anschluss geht am einfachsten über eine ganz normale Steckdose. Dazu benötigt man ein Anschlusskabel mit einem sogenannten SchuKo-Stecker (kurz für Schutz-Kontakt-Stecker). Das ist der in Deutschland übliche Stecker, den wir einfach in unsere Steckdose stecken können. Alternativ kann man seine Balkon-PV-Anlagen auch mit einem sogenannten „Wieland-Stecker“ anschließen, dazu benötigt man aber auch einen entsprechenden Wieland-Anschluss am Haus. Ein dritte Möglichkeit ist der feste Anschluss, welcher durch einen Elektro-Fachbetrieb vorgenommen werden sollte.

Weil es die einfachste, günstigste aber auch die flexibelste Lösung ist, haben wir uns für den Anschluss via SchuKo-Stecker entschieden. Allerdings haben wir den Stecker nicht direkt in die Steckdose gesteckt, sondern dazwischen noch ein Stromverbrauchsmessgerät gesteckt. Das Mini-Solarmodul verbraucht zwar keinen Strom, sondern speist ihn ein, das beachtet ein Stromverbrauchsmessgerät üblicherweise aber nicht. Das Gerät zeigt dann an als „Stromverbrauch“ an, wie viel Strom ihr gewonnen habt. Hier gibt es verschiedene Lösungen. Einfache Geräte zeigen lediglich die aktuelle Leistung an, andere Speichern die Werte entweder im Gerät oder (z. B. per WLAN) auf einem anderen Gerät. Oft gibt es dabei auch Lösungen, bei denen man per App auf seinem Smartphone die Daten einsehen kann. Manchmal haben Wechselrichter auch schon direkt eine entsprechende Messeinrichtung integriert, dann braucht man kein zusätzliches Gerät dafür.

Was springt dabei nun raus?

Wir haben unser Solarpanel mit 325 Wp („Watt peak“, also Spitzenleistung) im Februar in Betrieb genommen. Da dieser Monat nicht vollständig war haben wir ihn bei der Auswertung nun mal weg gelassen. Folgende Grafik zeigt, wie viel Kilowattstunden wir je Monat im Zeitraum von März bis September 2021 erzeugt haben.

Ertrag unseres Balkonkraftwerks von März bis September 2021

Rechnet man das auf ein ganzen Jahr hoch und zieht einen Puffer ab, weil wir im Winter womöglich nicht so viele Sonnenstunden haben, werden wir auf rund 200 kWh kommen. Bei einem (Öko-)Strompreis von ca. 29 Cent/kWh macht das pro Jahr ein Ersparnis von 58 €. Da wir das Solarpanel während dieser Laufzeit mehrfach umgestellt haben um den besten Ort zu finden, rechnen wir aber mit durchaus höheren Zahlen (siehe auch die Berechnung im nächsten Absatz). Da wir darauf geachtet haben, dass sowohl das Solarmodul als auch der Wechselrichter möglichst ökologisch und fair produziert wurden, war das Model das wir uns gekauft haben nicht gerade günstig. Allerdings hat es 10 Jahre Garantie auf den Wechselrichter und sogar 11 Jahre Garantie auf das Solarmodul, somit holen wir die Anschaffungskosten von in etwa 500 € locker wieder rein. Und sich die Herstellungsverfahren und der Markt laufend weiterentwickeln, werden die Sets voraussichtlich laufend günstiger.

Mit Online-Tools, wie beispielsweise dem unter https://www.solarserver.de/pv-anlage-online-berechnen/, kann man für seinen Wohnort ein Ertragsprognose berechnen. Diese wird abhängig von Ausrichtung, Neigung und der Leistung des Moduls berechnet. Die Leistung wird hier in kWp (Kilowatt peak) angegeben, bei unserem 325-Wp-Modul muss man also 0,325 kWp angeben. Hier kommen wir auf rund 380 kWh, also deutlich über unserer vorsichtigen Schätzung oben, somit wird sich unser „Balkonkraftwerk“ also wohl wesentlich früher amortisiert haben.

Der richtige Aufstellort

Was wir auf jeden Fall gelernt haben, ist, dass der Aufstellungsort eine wesentliche Rolle spielt. Schon eine Teilverschattung durch einzelne Äste verursacht eine erhebliche Leistungsminderung. Es ist also wichtig, dass man einen Aufstellort sucht, an dem das Solarmodul möglichst durchgehend freie Sicht zur Sonne auf der gesamten Fläche hat. Wir hatten erst das Problem, dass die dünnen Stäbe unseres Balkongeländers mehr Auswirkung hatten, als wir uns das dachten. Durch einem Umbau unseres selbstgebauten Ständers konnten wir das Panel oberhalb des Geländers platzieren, wo dann aber Äste eines Kirschbaum in das Sichtfeld des Panels ragten außerdem haben wir bemerkt, dass der Dachüberstand vor dem Balkon im Sommer einen anderen Schatten als im Winter wirft. Nach ein paar mal hin und her schieben am Balkon haben wir uns dann dazu entschieden, es in den Garten zu stellen, dort hat es nun freie Sicht. Als nächstes werden wir nur den Neigungswinkel noch etwas optimieren um eine maximale Ausbeute zu erhalten.

Die Anmeldung und der Stromzähler

Einen sehr wichtigen Aspekt haben wir bisher noch nicht erwähnt. Auch wenn es erlaubt ist, ein solches Balkon-Solarmodul selbständig aufzustellen, anzuschließen und zu betreiben muss es dennoch vor Inbetriebnahme angemeldet werden. Schließlich wären wir nicht in Deutschland, wenn wir uns nicht mit ein wenig Bürokratie herumschlagen dürften. Das Gute voraus: Beide Anmeldungen sind kostenlos, einen Haken gibt es aber noch, also weiter lesen. winking_face

Konkret muss man das Modul sogar zweimal anmelden: einmal beim Netzbetreiber und einmal beim Marktstammdatenregister. Wer euer Netzbetreiber ist könnt ihr zum Beispiel hier herausfinden: https://störungsauskunft.de/stromausfall Bei uns sind das die Stadtwerke Deggendorf GmbH. Ich habe dort auf der Webseite ein Anmeldeformular gefunden, welches ich ausgefüllt zusammen mit den Datenblättern des Solarmoduls und des Wechselrichters einfach per E-Mail an die Stadtwerke gesendet habe. Nach ein wenig hin und her, wie ich mein Modul nun anschließen darf war das erledigt. Dachten wir … Ich bekam dann nochmal eine Info, dass mein Stromzähler noch gewechselt werden muss. In den meisten Orten scheint es wohl so zu sein, dass die alten Zähler mit der Drehscheibe bereits durch neue digitale Zähler getauscht werden, die kein Problem damit haben, wenn eingespeist wird. Dass alte Drehscheiben gewechselt werden müssten wusste ich, da wir aber schon einen neuen digitalen Zähler hatten, hatte ich gehofft, dass hier nichts mehr gemacht werden muss. Leider hatten die Stadtwerke aber wohl nicht genug Weitsicht und hatten damals, als der Drehscheiben-Zähler gewechselt wurde, einen digitalen Zähler eingebaut, der nicht verwendet werden darf, wenn man Strom einspeist. Wir brauchten also nochmal einen neuen Zähler, und den wechsel hätten wir eigentlich laut Auskunft bei der Terminvereinbarung selber zahlen müssen, Rechnung ist aber bislang keine gekommen. Die Kosten können je nach Netzbetreiber variieren und liegen in der Regel zwischen 20 und 50 €.

Die Anmeldung beim Marktstammdatenregister ging dafür online ganz einfach: https://www.marktstammdatenregister.de/

Bist du bereit für dein eigenes Balkonkraftwerk?

Alles in allem sind wir sehr froh über diese Anschaffung. Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie die Energieanzeige steigt, wenn die Sonne anfängt zu scheinen. Und das gute Gefühl, selbst Teil der Lösung zu sein ist es auf jeden Fall wert. Wir hoffen, dass wir euch das Thema verständlich näher bringen konnten und dass ihr euch nun auch eine Mini-Solaranlage zulegt, falls das nicht eh schon geschehen ist.

Solltet ihr noch Fragen haben, zögert nicht uns anzuschreiben. Unserer Kontaktmöglichkeiten findet ihr unten.

(Unbezahlte Werbung - Alle genannten Dienste oder Produkte dienen lediglich als Beispiel.)

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